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Wie würde ich SIBO angehen, wenn ich es (wieder) bekäme – genau jetzt?



Stell dir vor, ich wache morgen auf und da ist es wieder: dieser typische „SIBO-Bauch“, der im Laufe des Tages immer mehr aufbläht, das Gefühl von „Gas steckt fest“, vielleicht Reflux, vielleicht Durchfall oder Verstopfung – und dieses nervige Gefühl, dass Essen plötzlich ein Ratespiel wird.

Und ganz ehrlich: Die Versuchung wäre riesig, sofort zu den starken antimikrobiellen Kräutern zu greifen. Einfach „draufhauen“ und dann erwartungsvoll beobachten, ob der klassische SIBO-Blähbauch endlich runtergeht.

Aber ich würde mich ziemlich schnell selbst bremsen und mir sagen:

So funktioniert das nicht.

Du kannst nicht Stunden damit verbringen, in deinem Garten Unkraut auszureißen — und dann erwarten, dass es für immer wegbleibt. Manche Menschen sind okay damit, alle paar Monate aggressiv zu „jäten“. Sie leben dann in einem Dauerzyklus aus aufblähen → behandeln → kurz besser → Rückfall → wieder behandeln.

Bevor du dich für diese Strategie entscheidest, möchte ich dir eine besser durchdachte, langfristig deutlich erfolgreichere Alternative zeigen — eine, die nicht primär darauf basiert, „Bakterien zu killen“ (und dabei oft auch gute Darmbewohner mitzuerwischen).


Schritt 1: Erstmal ehrlich werden — warum war dein Dünndarm so „einladend“ für SIBO?

Wenn ich (nochmal) SIBO hätte, würde ich nicht als Erstes fragen:„Welche Kräuter nehme ich?“

Sondern:„Warum konnte sich das überhaupt so entwickeln?“

Und genau da kommt in meiner Praxis die gründliche Anamnese ins Spiel.

1) Wann begannen die Symptome — und wie verliefen sie?

  • Wann ging das los? Plötzlich oder schleichend?

  • Wurde es mit der Zeit schlimmer?

  • Gibt es Wellen (besser/schlechter)?

  • Gab es einen klaren Wendepunkt?

Warum das wichtig ist: Ein SIBO, das „über Nacht“ nach einem Ereignis auftaucht, erzählt oft eine andere Geschichte als ein SIBO, das sich schleichend über Jahre aufgebaut hat.

2) Gab es einen Auslöser: Lebensmittelvergiftung, Reisediarrhö, Magen-Darm-Virus?

Ganz konkret:

  • Lebensmittelvergiftung und/oder Reisediarrhö?

  • Magen-Darm-Infekt?

  • Antibiotika rund um diesen Zeitraum?

  • „Seitdem war meine Verdauung nie wieder wie vorher“?

Das ist kein kleines Detail. Für manche Menschen ist genau das der Startpunkt eines sehr hartnäckigen Musters.

3) Dein Beschwerdeprofil: Wie sieht „deine“ SIBO aus?

Ich würde mich hinsetzen und es wirklich beobachten:

  • Blähbauch — nimmt er im Verlauf des Tages zu? (Typisch: morgens flacher, abends Ballon.)

  • Bleibt Gas „gefangen“?

  • Übermäßiges Aufstoßen/Flatulenz?

  • „Faule Eier“-Geruch? (Hinweis, den man ernst nehmen sollte.)

  • Mundgeruch ohne erklärbaren Grund?

  • Bauchschmerzen (Zeitpunkt, Lokalisation, Qualität)

  • Reflux/Sodbrennen?

  • Durchfall oder weicher Stuhl?

  • Verstopfung / unvollständige Entleerung?

  • Mehr Symptome bei „gesunder“ Ernährung? (Klassiker bei SIBO.)

4) Teil B: Vorerkrankungen, Ernährung & Begleitfaktoren

Hier schaue ich auf Dinge, die die „Spielregeln“ im Bauch verändern:

Mechanisch/neurologisch

  • Bauch-OPs, Trauma, Verwachsungen

  • TBI/Schädel-Hirn-Trauma (ja, auch das kann relevant sein)

Ernährung

  • Low-FODMAP probiert? Hat es geholfen?Hinweis: Low-FODMAP ist oft NUR Symptommanagement — nicht automatisch die Lösung.

Assoziationen

  • Eisen-/B12-Mangel

  • Rosazea

  • chronische Harnwegsinfekte, interstitielle Zystitis

  • NAFLD (Fettleber)

  • Restless Legs

  • Hypothyreose

Antibiotika-Reaktionen

  • Verdauung kurz besser nach Antibiotika? Oder deutlich schlechter?

5) Der Punkt, den viele unterschätzen: Dein Alltag – wirklich.

Bevor ich ein „Kill-Protokoll“ starte, würde ich mich fragen:

  • Schlafqualität?

  • Stressniveau (akut + chronisch)?

  • Essen „nebenbei“ vs. ruhig und regelmäßig?

  • Bewegung und Sitzzeiten?

  • Nervensystem eher „unter Strom“ oder eher erschöpft?

Denn: SIBO ist selten nur ein Bakterienproblem. Es ist fast immer auch ein Systemproblem.

Sanfter Hinweis aus der Praxis: Wenn du merkst, dass Stress/Anspannung ein großer Teil deiner Symptomdynamik ist, kann ein strukturierter Einstieg helfen. Mein 8-Wochen Mind & Gut Reset ist genau dafür gemacht: machbar, alltagstauglich, und ohne dass du „perfekt“ sein musst. Hier findest du das E-book.

Teil 2: Erst das System stabilisieren – dann „jäten“

Wenn du diese Infos gesammelt hast und ehrlich auf deine Stressoren schaust, ist es Zeit, die Puzzleteile zusammenzusetzen.

Und hier ist die unbequeme Wahrheit, die ich mir selbst sagen würde, wenn ich SIBO heute (wieder) hätte:

Es kann Monate dauern, bis der Körper wirklich bereit ist für Antimikrobielles oder Antibiotika.Nicht, weil du „nichts tust“ — sondern weil du das Fundament baust, das später den Unterschied macht.

Was ich in dieser Vorbereitungsphase priorisieren würde

1) Schlaf & Nervensystem: Regulation vor Reaktion

Das ist kein „Bonus“. Das ist Strategie. Ein dysreguliertes Nervensystem beeinflusst Motilität, Sekretion, Entzündung — und damit das Milieu für SIBO.

2) Bewegung – passend dosiert

Nicht „mehr Sport um jeden Preis“. Mehr Bewegung im Alltag + ein Training, das dein System unterstützt statt es weiter zu stressen.

3) Essensrhythmus: 3–4 Stunden Pausen zwischen Mahlzeiten (weniger Snacking)

Ganz sanft damit spielen. Das kann die natürliche Reinigungsfunktion des Dünndarms unterstützen (MMC) — ohne dass du ein einziges Supplement brauchst.

4) Verdauungssekrete optimieren (oft der Gamechanger)

Je nach Situation:

  • Bitterstoffe

  • Enzyme

  • Unterstützung des Gallenflusses

  • Magensäure-Tools

Und bitte: gründlich kauen + ruhige Mahlzeiten.Ich weiß, klingt banal. Ist aber häufig ein „Wow“-Hebel.

5) Verstopfung / Transitzeit verbessern (wenn keine strukturellen Ursachen im Vordergrund stehen)

Zum Beispiel:

  • Magnesium (passend zur Stuhlsituation)

  • lösliche Ballaststoffe (vorsichtig einschleichen)

Wenn Motilität ein großes Thema ist (Verstopfung, „gefangenes Gas“, aufgeblähter Bauch im Tagesverlauf), ist mein Selbst-Bauchmassage Video Kurs eine sehr praktische Ergänzung: eine sanfte, alltagstaugliche Routine, die viele nutzen, um Motilität und Entspannung im Bauchraum gleichzeitig zu unterstützen. Hier findest du den Kurs

6) Schilddrüse & Nährstoff-Basis

Wenn Schilddrüsenwerte „grenzwertig“ sind oder Symptome in diese Richtung zeigen: Cofaktoren/Nährstoffe checken und behutsam aufbauen. Das kann Motilität und Energie spürbar verändern.

Erst dann: Antimikrobielles/Antibiotika – auf ein vorbereitetes System „oben drauf“

Wenn sich nach einigen Wochen/Monaten mit diesen Routinen etwas stabilisiert (mehr Regelmäßigkeit, weniger Stressreaktivität, bessere Stuhl- und Verdauungsdynamik), ist jetzt ein sinnvoller Zeitpunkt, um Antimikrobielles oder Antibiotika zu erwägen.

Und an dieser Stelle macht ein aktueller Lactulose-Atemtest mit H2/CH4  oft viel Sinn, um den Startpunkt sauber zu kennen.

Wichtig: Dieser Blogpost ist keine Anleitung, welche Antimikrobiotika/Biofilm-Tools in welcher Dosis wie lange notwendig sind. Das gehört in die Hände von ausgebildeten SIBO-Expert:innen.

Was ich aber sagen kann: Wenn wir antimikrobielle und Biofilm-Tools einsetzen, dann nicht auf ein wackeliges System, sondern auf ein Fundament mit:

  • besser reguliertem Nervensystem

  • gestützter Motilität

  • optimiertem Gallenfluss

  • Magensäure-Unterstützung (falls nötig)

  • besserem Schlaf/Bewegung/Essensrhythmus

Und ja: In dieser Phase kann sich oft richtig viel bewegen — Blähbauch, Gas, Bauchschmerzen, Durchfall/Verstopfung können sich deutlich schneller verbessern.

Meine Zielmarke: ~70% Verbesserung – bevor wir „in die Zukunft“ denken

Während die Foundation-Tools möglichst weiterlaufen, ist mein Ziel, dass Patient:innen ungefähr 70% Verbesserung gegenüber dem Ausgangspunkt erreichen.

Wenn das da ist (und idealerweise auch der Atemtest negativ wird), kommt der Teil, der Rückfälle oft stärker beeinflusst als die Therapie davor:

Die Repair-Phase: Barriere, Schleimschicht, Vielfalt, Toleranz

Jetzt geht es um:

  • Darmbarriere & Permeabilität

  • mikrobielle Balance in der Mukusschicht

  • FODMAP-Toleranz wieder auftrainieren

  • Food Diversity / Plant Points langsam erhöhen

Praktisch kann das (individuell) bedeuten:

  • prebiotische, polyphenolreiche Lebensmittel (langsam und passend)

  • ggf. Sporenbasierte Probiotika

  • L-Glutamin oder Colostrum – je nach Person

Für viele ist genau hier ein sanfter Einstieg über Brühe & barrierefreundliche Routinen super hilfreich. In meinem SuperBrühe Kurs zeige ich Schritt für Schritt, wie du Knochenbrühe (und passende Varianten) so integrierst, dass es alltagstauglich bleibt – als Baustein für Barriere-Support, nicht als „Wundermittel“. Hier findest du den Kurs.

Und noch etwas, das ich sehr klar sagen möchte:Langfristig „super low FODMAP / super low carb“ ist oft nicht pro-Motilität und nicht pro-Stoffwechsel. Das Ziel ist nicht „für immer vermeiden“, sondern Toleranz und Vielfalt wieder aufbauen.

Motilität = Rückfall-Schutz (der unterschätzte Hebel)

Ein zentraler Baustein ist das richtige Motilitäts-Setup. Häufig braucht es eine Kombination von Strategien, z. B. pflanzlich (Artischocke, Ingwer etc.) – individuell, passend dosiert.

Denn: Die Reinigungswellen des Dünndarms sind ein Teil dessen, was verhindert, dass sich „alles wieder nach vorne schiebt“.

Wenn SIBO trotzdem wiederkommt

Dann heißt das nicht, dass du versagt hast.

SIBO kann ein tief eingeprägtes Muster sein – manchmal über Jahrzehnte. Und bei manchen Menschen gibt es nach Lebensmittelvergiftung oder Magen/Darm -Viren eine autoimmun geprägte Komponente, die Rückfälle wahrscheinlicher macht.

Trotzdem: Wenn man mit einer echten Strategie vorgeht, schaffen es die meisten, ihre Lebensqualität massiv zu verbessern — statt im Quick-Fix-Kreislauf stecken zu bleiben.

Schlussgedanke

Bitte geh nicht den Weg: „Hauptsache Bakterien weg.“

Du verdienst eine Strategie, die nicht nur kurzfristig beeindruckt, sondern langfristig trägt.

Wenn du dir Unterstützung wünschst:

Auf meiner Website findest du auch eine wachsende Liste von Kolleg:innen, die meine intensiven SIBO Master Practitioner Kurs abgeschlossen haben.


Disclaimer: Keine medizinische Beratung. Informationen dienen der Aufklärung und ersetzen nicht die individuelle Diagnostik und Behandlung durch medizinisches Fachpersonal.

Transparenzhinweis/Werbung: Dieser Beitrag enthält Empfehlungen und Links zu meinen eigenen Produkten und Angeboten.

 
 
 

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